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FLIEGENDER TEPPICH 2013 – ODYSSEE
Drei Zeitgenössische Kurzopern


Musik:

lotus: Sinem Altan (Türkei /Berlin)
the journey home: Amos Elkana (Israel/Tel Aviv)
omiros-orimos: Giorgos Koumendakis (Griechenland)

Uraufführung: 
4. Oktober 2013, 20:00 Uhr, Gasteig, Carl-Orff-Saal, München
Weitere Aufführungen:
 5./6. Oktober 2013

Idee/Musikal. Leitung: Konstantia Gourzi
Regie: Martina Veh
Regieassistent: Caner Akdeniz
Bühne/Kostüme: Alexander Polzin
Ausstattungsassistent: Claudia Weinhard
Licht: Wieland Müller-Haslinger
Fotos: Norbert Banik

Mitwirkende: Anna Stylianaki, Susanne Drexl, Aco Biscevic und Raphael Sigling,
Kinderchor der Bayerischen Staatsoper (Stellario Fagone)


Orchester: Ensemble opus21musikplus
Produktionsleitung: Alexandra Zöllner

Zum Stück:
Drei Kurzopern zu den Themen Migration/Integration, mutiges Handeln und Scheitern des Helden und die Heimkehr: Diese von Konstantia Gourzi (opus21 musikplus) in Auftrag gegebenen Kompositionen schließen ein education program ab, das vor 5 Jahren begonnen wurde mit der Intention, Neue Musik im Zusammenhang mit Mythen und Märchen aus aller Welt mit Grundschulen in München in Berührung zu bringen. Der Mythos der Odyssee wird auf einen zeitgenössischen Teppich gebracht und vom Kinderchor der Staatsoper München, vier namhaften Solisten und dem neue musik ensemble opus 21 von Konstantia Gourzi in München umgesetzt.

 

Inhalt:
Ein glamouröser mysteriöser Spieler – es könnte Odysseus sein, Held des Abendlandes, sagenhafter Scharlatan – führt uns in allerlei Rollen durch die drei kurzen Opern.

1. LOTUS-INSEL (Kurzoper von Sinem Altan)
Ein Geschwisterpaar strandet mit seiner Mutter auf einer seltsamen Lotus-Insel, eine Wasserwelt, eine Welt der Seerosen, der Schlingpflanzen, eine Welt des Rausches, des Vergessens, ohne festen Boden, aber auch eine Welt der Hoffnung. 
Sie sind auf der Suche nach Heilung ihrer erkrankten Mutter. Diese leidet an ihrer Identität, ein halb volles oder halb leeres Glas Wasser immer bezweifelt werden.    
In welche Welt will die gesundete Mutter am Ende wieder zurückkehren? Egal, welche Welt dies ist – wenn sie sich „Heimat“ nennt und sich wie Heimat anfühlt, so ist dies die Sehnsucht. Welches Glück wiederum erhoffen sich Nilufer (eine Wasserrosenart) und ihre Pflanzenwelt, deren Welt auch nicht gesund ist? Oder ist diese Menschen- und Hoffnungen verschlingende Pflanzenwelt einfach nur ein Naturprinzip? Ein Automatismus, sich instinktiv das zu holen, was einen Ausgleich, jener Welt eine Gesundung verschafft.
                
2. THE JOURNEY HOME (Kurzoper von Amos Elkana)
Ein junger Mann, ein palästinensischer Araber, beschließt nach Jerusalem auszuwandern, konvertiert zum Judentum, findet eine jüdische Frau und hat bald eine 10köpfige Familie. Die Vorurteile der Schwiegermutter führen jedoch zu täglichem Familienstreit. Er verlässt eines Abends in Verzweiflung das Haus. Er wird gefangengenommen. Seine Arabischen Eltern machen ihn ausfindig und er darf das Gefängnis verlassen unter der Bedingung, nach Nablus zurückzukehren, ohne Möglichkeit für ihn, Kontakt zu seiner hebräischen Familie aufzunehmen. Er konvertiert zurück zum Islam, heiratet eine arabische Frau und hat eine 12-köpfige Familie. Er stirbt. Die jüdische und die arabische Familie nehmen teil an seinem Begräbnis. Nach einer wahren Begebenheit.
Diese Kurzoper bezeichnet Martina Veh als Nukleus zu einem abendfüllenden Werk. In gleißend scharfen, geradezu dokumentarfilmischen Schlaglichtern kommt diese Komposition den menschlichen Lebenssituationen des Protagonisten auf die Spur, dessen gesamtes Leben von Mut, Scheitern und dem großen Kampf zwischen zwei gleichwertigen Identitäten geprägt ist: Die Wahlidentität und das Geworfen-Sein in eine von Geburt gegebene Identitätsstruktur. Auch diese kann im Laufe eines Lebens als neu wieder auftauchen und vielleicht zur Wahl stehen. In kaum einer anderen Geschichte – und das Libretto ist nach einer wahren Begebenheit geschrieben – kann so klar werden, was die Frage nach der Wahl oder der Schaffung der eigenen Identität bedeuteten kann, gerade in Zeiten von Krieg, Gewalt und Verfolgung.

3. OMIROS-ORIMOS (Kurzoper von Giorgos Koumendakis)

Raum. Zeit. Erwachsenwerden.
Die Heimkehr des „großen“ Odysseus: eine Geschichte wie sie in jeder auch heutigen Familie stattfinden kann, deren mythologische Gültigkeit umso augenfälliger ist.
Vielleicht hat Odysseus ja auf der Suche nach seinem Selbst seine Heimat nie verlassen. 
Wie geht es weiter nach der ersehnten Heimkehr? Wie wird umgegangen mit der von Odysseus hinterlassenen Welt? Die Welt eines Helden? Die Welt eines Scharlatan? Die Welt seiner permanenten Abwesenheit? Welches Bild schaffen sich die Menschen von einem immer abwesenden Familienmitglied und wie gehen sie mit ihm um sobald er versucht heimzukehren?
Odysseus begegnet seinem Sohn Telemachos, seinem Hund, seiner blinden Amme Euryclia und seiner Frau Penelopé. Zum Schluss gibt Odysseus seine Rolle als Suchender ab an die Kinder. 
Eine Welt geht zu Ende, verschwindet oder wird „verspielt“, eine andere Welt, eine neue Welt.

 

Ein Blick auf die Figuren:
Odysseus, Held der Abendländischen Kultur! Doch blickt man genauer in die Texte Homers, so finden wir vor allem einen gutenErzähler. Erzählt Odysseus die Wahrheit? Und wenn ja, dann welche Wahrheit? Wie will er sich erzählen dieser Odysseus: Der Krieger! Löwe im Blut – mit Gebrüll in den Kampf, dessen Weisheit und kluges Handeln wegweisend sind? Er ist es, der angeblich pausenlos den Raum der Welt durchmisst und sich damit einer Heimkehr entzieht.

Tilemaxos, der Sohn tritt das Erwachsenwerden an durch die aktive Suche und Begegnung mit seinem Vater, der ihn zum Handeln auffordert. Er ist der erste, noch vor den Freiern, der versucht, den Bogen des Odysseus zu spannen im letzten Bild der Oper, wenn sich die Kinder im Wettbewerb darum streiten, wer sich im Bogenkampf
bewähren darf. Als Odysseus seinem sterbenden Hund begegnet, wird ihm in diesem Moment klar, dass er unwiderruflich das Heranwachsen und die Zeit der schönen Laufkraft seines Hundes, und auch das Heranwachsen seines Sohnes verpasst hat. Die blinde Amme Evriklia hält sich durch die Hoffnung auf die Heimkehr des abwesenden Hausherrn und die Wiederherstellung der von ihr imaginierten Ordnung gepaart mit dem Durst nach blutiger Vergeltung am Leben. Für Penelope hat vor allem das  Verstreichen der Zeit die Hauptrolle inne und alle damit verbundenen Ängste und Erstarrungen des Geistes und der Seele. In ihr vorhandene Gegensätze, prallen aufeinander: Geduld und Ungeduld, liebende Erinnerung und Zorn, Stolz und Scham. Penelope und Odysseus haben sich zunächst fast nichts zu sagen. Odysseus muss sogar gezwungen werden, sich seiner Frau zu stellen. Diese ist vollkommen erstarrt und kalt. Angst und Skepsis bestimmen die Situation. Erst nachdem das Paar dann miteinander geschlafen hat, können sie beginnen sich ihr wahres Leben zu erzählen.

 

Ausschnitt aus einem Interview:

Was ist für Sie das Besondere daran, in dieser Opernproduktion eine Arbeit mit Kindern und auch für Kinder zu machen? Ein Abend, an dem Kinder gleichberechtigt mit Erwachsenen
dargestellt werden, handeln und singen?

Daran ist gar nichts besonders. Meiner Meinung nach sind Kinder Menschen wie alle anderen Menschen auch. Sie leben ja auch in der gleichen Welt wie die Erwachsenen. Als Regisseur kann ich mit dem Begriff Kinderoper nichts anfangen. Das einzige, was ich zu sagen wage ist, dass manche Kinder ihre  Unbefangenheit Fragen zu stellen und ihre ehrliche Neugierde noch nicht komplett im sogenannten Bildungssystem verloren haben. Insofern könnte man vielleicht sagen, dass Kinder ein unbefangeneres und somit strengeres Publikum sind. Als Darsteller sind sie ebenso fleißig und interessiert wie alle anderen Sänger auch. Die Besonderheit liegt eher darin, dass es ein Chor ist, der in allen drei Opern eine sehr große Rolle spielt. Inhaltlich stellt der Abend eine viel wesentlichere Frage: Welche Welt wir den Kindern hinterlassen. Das ist keine Frage für ein Kinderzimmer, um das man eine Angstglocke baut in einer sehr wohlhabenden Gesellschaft, in der sogar das Kind an sich zur Besonderheit und zum Statussymbol erklärt wird, sondern es handelt sich dabei um eine globale Frage, der sich alle Menschen stellen müssen. Genau dies ist für mich die Besonderheit an dieser sehr internationalen Produktion: Dass wir alle aus sehr unterschiedlichen Ländern und Kulturen kommen, finde ich unerheblich. Das ist in vielen Musiktheaterproduktionen der Fall. Aber dass wir uns alle aus unserer Unterschiedlichkeit heraus mit dieser Frage künstlerisch auseinandersetzen, das ist für mich unglaublich bewegend. (Martina Veh)

 

 

Die Produktion steht unter der Schirmherrschaft von Emilia Müller, Bayerische Staatsministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten; dem Generalkonsulat der Republik Türkei in München, Generalkonsul Kadir Hidayet Eris, dem Generalkonsulat von Israel in München, Generalkonsul Dr. Dan Shahan und dem Generalkonsulat von Griechenland in München Generalkonsulin Sofia Grammata

Unsterstützt von der Ernst von Siemens Musikstiftung in Kooperation mit BR-Klassik, Kulturfonds Bayern, Landeshauptstadt München, Onassis Foundation, Susanne Wamsler, Ingrid Werndl-Laue Stiftung, Aegean Airlines, Griechische Akademie e.V. ISBANK, Christoph und Stephan Kaske Stiftung, Paros, Grarden Club of Bavaria, Herrn udn Frau Profs. Nickl, Dr. Robert Schmucker, Stadtsparkasse München, Ingeborg Stachel Stiftung, Maria Wimmer Stiftung, Stehcafé Dalkaya, C.H.Beck Stiftung

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